Beschrijving
Tom Tykwers Regiedebüt Die tödliche Maria lässt bereits deutlich den individuellen Stil des
Regisseurs sichtbar werden. Der Spielfilm aus dem Jahr 1993 ist ganz auf die Protagonistin
Maria (Nina Petri) ausgerichtet. In einem Zeitraum von nur sechs Tagen erzählter Zeit wird
vor den Augen des Zuschauers ein eindringliches Bild ihres Lebens entworfen. In Form von
Rückblenden erfährt der Zuschauer, welche unglücklichen Ereignisse Marias Leben geprägt
haben. Marias Leben scheint unter einem schlechten Stern zu stehen: ihre Mutter starb bei
ihrer Geburt, ihr Vater erlitt einen Infarkt als er Maria bei ihrem ersten Kuss mit einem
Klassenkameraden erwischte. Später presst der bettlägerige Vater seiner Tochter ein
Eheversprechen ab. Mit den Worten ‘Du willst doch, dass es mir gut geht’ bringt er das 16-
jährige Mädchen dazu, einen Skatkumpel zu heiraten und sichert so vor allem seine eigene
Zukunft.
Die tödliche Maria ist ein bedrückendes Hinterhofdrama. Der Film spielt
zum größten Teil in der düsterkargen Wohnung eines Mehrfamilienhauses der fünfziger
Jahre. In ruhigen Momenten sitzt Maria am Fenster und schaut auf den kahlen Baum im
ebenso kargen Hinterhof. Marias Alltag scheint sich Tag für Tag zu wiederholen. Sie steht gemeinsam mit ihrem Mann
auf, bereitet sein Frühstück vor, ihr Mann streicht ihr zum Abschied über die Wange und legt
ihr dreißig Mark auf die Kommode. Während ihr Mann arbeitet pflegt sie ihren Vater, besorgt
Einkäufe und schreibt tagebuchähnliche Briefe an einen imaginären Adressaten. Gleich zu
Beginn des Films offenbart sich in einem solchen Brief, dass Maria übersinnliche Kräfte an
sich bemerkt hat. Die Existenz dieser Kräfte verleiht den Widerwärtigkeiten ihres Alltags eine
unheimliche Dimension. Die innere und äußere Schönheit der Protagonistin stehen im
schmerzlichen Gegensatz zu ihren Lebensumständen und verstärken den Eindruck, dass sich
Maria in einem Käfig befindet. […]





